
Gutscheine online verkaufen: vier Wege für Studios und Salons
Plattform, Buchungssoftware, Shop-System oder weiter von Hand: was die vier Wege unterscheidet und ab welchem Umsatz sich welcher rechnet.
Kurz gesagt
Es gibt vier ernsthafte Wege: weiter von Hand verkaufen, den Gutscheinverkauf an eine vorhandene Buchungs- oder Kassensoftware anhängen, ein Shop-System aufsetzen oder eine eigenständige Gutscheinplattform anbinden.
Für ein Studio mit unter 20 Gutscheinen im Jahr lohnt sich meist keine Software. Zwischen 20 und rund 150 Gutscheinen sind Anbieter ohne Monatsgebühr günstiger. Darüber gewinnen Anbieter mit Pauschale.
Was der Papiergutschein wirklich kostet
Die Karte selbst kostet ein paar Cent. Teuer wird das Drumherum.
Ein typischer Ablauf: Jemand ruft an und möchte einen Gutschein über 80 Euro. Du schreibst ihn von Hand, schickst deine Bankverbindung, wartest auf den Eingang, schaust zwei Tage später noch einmal nach, legst die Karte an die Kasse und schreibst den Namen in eine Liste. Sechs Monate später steht jemand mit dieser Karte vor dir, und die Liste ist drei Ordner weiter.
Rechne das nicht in Euro, sondern in Unterbrechungen. Jeder dieser Gutscheine kostet dich zwei bis drei Vorgänge, verteilt über Wochen, meist mitten in einer Behandlung. Bei zwanzig Gutscheinen im Jahr ist das verkraftbar. Bei achtzig ist es ein zweiter Job.
Der zweite Posten fällt erst später auf: Verkäufe, die nicht stattfinden. Wer am 22. Dezember abends ein Geschenk sucht, kauft dort, wo er sofort etwas in der Hand hat. Ein Anrufbeantworter gewinnt diesen Kunden nicht. Wie sich dieses Dezembergeschäft vorbereiten lässt, steht im Zeitplan für das Weihnachtsgeschäft.
Die vier Wege
Weiter von Hand
Karte, Überweisung, Liste. Keine laufenden Kosten, keine Einrichtung, volle Kontrolle. Der Aufwand steigt linear mit der Anzahl, und Verkäufe außerhalb deiner Öffnungszeiten finden nicht statt.
An die vorhandene Software anhängen
Viele Buchungs- und Kassensysteme für Beauty und Wellness können Gutscheine mitverkaufen. Wenn du ohnehin für Termine oder Kasse bezahlst, ist das oft der pragmatischste Weg: keine zweite Software, ein Login, ein Support.
Der Haken ist die Tiefe. Gutscheine sind dort eine Nebenfunktion. Wie frei du Angebote gestalten kannst, wie die Zustellung aussieht und wie brauchbar die Rechnung ist, schwankt stark. Prüfe das an deinem eigenen Fall, bevor du dich darauf verlässt.
Ein Shop-System aufsetzen
WooCommerce oder ein vergleichbarer Shop kann Gutscheine als Produkt verkaufen. Das ist der flexibelste Weg und der mit dem meisten Unterhalt: Updates, Plugins, Zahlungsanbindung, Rechnungserstellung, DSGVO.
Sinnvoll, wenn du ohnehin Produkte verkaufst. Für ein Studio, das ausschließlich Gutscheine anbieten will, ist es viel Maschine für wenig Ladung.
Eine eigenständige Gutscheinplattform
Spezialisierte Anbieter übernehmen Verkaufsseite, Zahlung, Zustellung, Rechnung und Einlösung. Deine Website bindet nur ein Element ein oder verlinkt darauf.
Der Vorteil ist, dass Gutscheine hier die Hauptsache sind und nicht ein Menüpunkt. Der Nachteil ist eine zusätzliche Software neben dem, was du schon hast.
Wie so eine Plattform auf deine bestehende Website kommt, ist eine eigene Entscheidung mit drei Möglichkeiten: Link, eingebetteter Bereich oder schwebender Button.
MomentPass gehört in diese Kategorie.
Entscheidungsmatrix
Woraus die laufenden Kosten bestehen
Bei Softwarepreisen werden drei Dinge durcheinandergeworfen, die getrennt gehören.
Die Softwaregebühr ist entweder eine Monatspauschale, eine Provision vom Gutscheinwert oder beides. Eine Pauschale ist bei viel Umsatz günstiger, eine Provision bei wenig.
Die Zahlungsgebühr geht an den Zahlungsanbieter, nicht an die Software. Sie fällt fast immer zusätzlich an, egal welchen Anbieter du wählst. Bei Stripe sind es für europäische Standardkarten 1,5 Prozent plus 25 Cent je Zahlung.
Die Einrichtungsgebühr ist inzwischen bei den meisten Anbietern verschwunden, taucht aber in älteren Angeboten noch auf.
Vergleiche deshalb nie zwei Prozentsätze miteinander, ohne zu prüfen, worauf sie sich beziehen.
Drei Rechenbeispiele
Angenommen, ein Gutschein kostet im Schnitt 60 Euro und alle Käufer zahlen mit einer europäischen Standardkarte. Die Zahlungsgebühr ist bei allen Anbietern gleich und mit 1,5 Prozent plus 25 Cent angesetzt. Alle Softwarepreise sind Nettopreise, Stand 23. Juli 2026.
MomentPass rechnet mit 5 Prozent Provision ohne Monatsgebühr. gurado Starter kostet 38 Euro im Monat ohne Provision. firstvoucher Basic kostet 29 Euro im Monat plus 3,9 Prozent. Alle drei Zeilen enthalten die Zahlungsgebühr.
Der kostenlose Tarif von gurado fehlt in dieser Tabelle mit Absicht: Er erlaubt zehn Vorgänge im Monat und als Zahlungsart nur Rechnung oder Vorkasse. Damit löst er das Problem nicht, um das es hier geht, nämlich den Verkauf am 22. Dezember um 21 Uhr.
Ab wann sich eine Pauschale lohnt
Die interessante Zahl ist nicht der Preis, sondern der Punkt, an dem sich die Reihenfolge dreht.
Gegen eine Pauschale von 38 Euro im Monat rechnet sich eine Provision von 5 Prozent bis zu einem Gutscheinumsatz von rund 9.100 Euro im Jahr. Das sind etwa 150 Gutscheine à 60 Euro. Darüber ist der Pauschaltarif günstiger, und der Abstand wächst mit jedem weiteren Verkauf.
Gegen 29 Euro im Monat plus 3,9 Prozent liegt der Punkt deutlich höher, bei etwa 31.600 Euro Jahresumsatz, weil dort beide Modelle prozentual mitwachsen.
Wenn du also heute bei zwanzig Gutscheinen stehst und in drei Jahren bei zweihundert sein willst, ist die ehrliche Antwort: Der Anbieter, der heute richtig ist, muss es dann nicht mehr sein. Achte weniger auf den Preis als darauf, ob du deine Daten und deine Kunden später mitnehmen kannst.
Wann von Hand völlig ausreicht
Es gibt Studios, für die keine dieser Lösungen sinnvoll ist.
Wenn du im Jahr fünfzehn Gutscheine verkaufst, fast alle davon an Stammkundinnen im Gespräch, und niemand danach fragt, ob man online kaufen kann, dann kostet dich jede Software mehr als sie einbringt. Eine saubere Liste und ein fester Platz für die Karten lösen das Problem vollständig.
Der Punkt, an dem sich das ändert, ist selten der Umsatz. Es ist der erste Anruf, bei dem jemand fragt, ob er den Gutschein nicht einfach per E-Mail bekommen kann.
Und egal, wofür du dich entscheidest: Der Verkauf ist der leichtere Teil. Entscheidend ist, was Monate später passiert, wenn jemand den Gutschein einlösen will.
Quellen
- Preise und Pakete (öffnet in einem neuen Tab), gurado. Abgerufen am .
- Preise (öffnet in einem neuen Tab), firstvoucher. Abgerufen am .
- Preise für Zahlungsabwicklung in Deutschland (öffnet in einem neuen Tab), Stripe. Abgerufen am .